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Intervew mit Manfred Kreutz

"Steigerung ist immer möglich."

Manfred Kreutz. Foto Mathias SchwenkeEssen, 13. Oktober 2002 (sts). Nach dem entscheidenden Anstoß durch Norbert Maschelski feiert der früher in der Nationalmannschaft aktive Geher Manfred Kreutz als Läufer im Team der LG Ahlen eine beeindruckende zweite Karriere. Mehr noch als durch starke Zeiten macht er jedoch mit Belastungsproben auf sich aufmerksam, die grundsätzlich wider jeder Vernunft sind. Im Sommer lief er mit gebrochenem Zeh beim Swiss-Alpine-Marathon 42 Kilometer durch das Hochgebirge, jetzt läuft der 36-Jährige Ahlener nur zwei Wochen nach dem Berlin-Marathon erneut die klassischen 42,195 Kilometer und liefert dazu noch eine Bestzeit ab.

Frage: "Was treibt Sie dazu, zwei Marathons innerhalb von nur 14 Tage zu laufen?"
Manfred Kreutz: "Die Suche nach den eigenen körperlichen Grenzen. Bei einem Marathon kann man schon eine ganze Menge feststellen, aber zwei Marathons sind doch was ganz anderes. Ganz davon ab hatte ich den Start in Essen vor einigen Monaten schon zugesagt. Und versprochen ist versprochen."

Frage: "Und wie kann man sich in so kurzer Zeit erneut für so eine Schinderei motivieren? Zumal Essen im Vergleich zu Berlin eindeutig der weniger attraktive Lauf ist?"
Kreutz: "Hört sich vielleicht albern an, aber aus der Freude am Sport. Die Motivation kommt von selbst. Wenn man 20 Jahre Ausdauersport macht, muss man einfach Spaß daran haben, sich auszubelasten, seine Grenzen zu finden, sein eigenes Ich."

Frage: "Haben Sie die Grenzen jetzt gefunden?"
Kreutz: "Jein. Eine Steigerung ist immer möglich. Organisch war der Marathon in Essen gar kein Problem. Nur die Energiespeicher waren noch nicht wieder richtig aufgefüllt. Dafür war die Zeit dazwischen einfach zu kurz. Aber die Grenzen lassen sich in allen Lebenslage noch verschieben. Die 78 Kilometer beim Swiss-Alpine wären nochmal eine Herausforderung, vielleicht mal 100 Kilometer. Oder vom Atlantik bis zum Ural. Irgendwas verrücktes halt."

Frage: "Kann man einen Marathon mit einem Geh-Wettkampf über 50 Kilometer vergleichen?"
Kreutz: "Das ist ähnlich. Beides gibt eine volle Ausbelastung, der Puls ist ähnlich, die Schmerzen auch. Und ob ich jetzt 4:10 Minuten pro Kilometer laufe oder fünf Minuten gehe, so groß ist der Unterschied nicht. Nur das Trainingsniveau und der Leistungsdruck waren früher größer. Das Gehen war eine Zeitlang meine Existenz."

Frage: "Der nächste Marathon ist Ende Oktober in Frankfurt?"
Kreutz: "Aber ohne mich. Ich möchte auch mal wieder ein Wochenende mit der Familie verbringen."

Frage: "2:55 Stunden nach nur zwei Wochen Regeneration, was ist dann bei vernünftiger Vorbereitung drin?"
Kreutz: "Mit entsprechendem Training liegen 2:35 Stunden garantiert in Reichweite. Aber erst, wenn die Kinder größer sind."

[Bericht Marathon Essen]

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