Nachruf:
Thorsten Bartsch

Das Siegertrio nach einer Westfalenmeisterschaft: Thorsten Bartsch (Mitte), sein Bruder Dieter (l.) und Thomas Scherf (r.); vorn knieend Rudi Heising als Trainer
Das Siegertrio nach einer Westfalenmeisterschaft: Thorsten Bartsch (Mitte), sein Bruder Dieter (l.) und Thomas Scherf (r.); vorn knieend Rudi Heising als Trainer. Bild: privat
Ahlen, 27. August 2007 (dm). Sie hatten sich auf ein Wiedersehen gefreut; ein Wiedersehen nach 25 Jahren: die Geher der LG Ahlen. Doch das Treffen war überschattet durch einen Todesfall. Genau vor 25 Jahren feierten die Geher der LG Ahlen ihre unvergessenen Erfolge. Erfolge, die so weit gingen, dass die Konkurrenz schon nahezu mutlos an den Start ging, wenn Ahlener Geher gemeldet waren. Und der Klassifizierungsvermerk die Runde machte: „Ich war Erster hinter den Ahlenern“. Was nichts anderes bedeutete, dass der zitierte Teilnehmer Vierter oder Fünfter im Gesamtfeld geworden war. So deutlich war die Überlegenheit der Ahlener Geher.

Einer dieser erfolgreichen Geher war Thorsten Bartsch. Noch heute haben seine Kreisrekorde bei der männlichen Jugend A Bestand: über 5000 Meter Bahngehen 21:27,82 Minuten (1987) und 44:38,88 Minuten über 10.000 m Bahngehen (1988). Thorsten Bartsch war ein typischer Wettkampfgeher; er ging keinem Zweikampf aus dem Weg, ging hochkonzentriert an den Wettkampf heran und nutzte seine Stärken wie Trainingseifer, "fit auf den Punkt" und Siegeswillen konsequent aus. Dazu kamen dann seine Vereinskameraden, die ihn nicht nur im Training unterstützten; auch im Wettkampf kämpften sie für ihn mit, wenn es darum ging, gute Zeiten, gute Platzierungen, faire Auseinandersetzungen zu erzielen. Das ging so weit, dass Thorsten Bartsch als Jugendlicher und Junior dreimal in der deutschen Nationalmannschaft (Länderkämpfe gegen Frankreich - zwei Mal - und gegen Großbritannien) stand, so wie Olaf Porombka oder Manfred Kreutz. Rudi Heising, Thomas Borzyskowski, Frank Moshage, Stefan Krausch, Dirk Kaldewei, Thomas Pietzka und sein Zwillingsbruder Dieter (zwei Länderkämpfe) gehörten unter anderen dem erfolgreichen Geher-Team der LG an.

Thorsten beendete relativ früh seine erfolgreiche Karriere. Es scheint so, dass er nicht richtig abtrainierte, so wie seinerzeit Hartwig Gauder, der Olympiasieger und Weltmeister im Gehen, der dann 1997 dank einer erfolgreichen Herztransplantation sein zweites Leben startete. Nach dieser Operation ist Gauder einer der führenden Vorstandsmitglieder der deutschen Organspendeninitiative, so wie auch übrigens Franz Beckenbauer. Bei Thorsten Bartsch traten schon früh nach dem Karrierenende Herzbeschwerden auf, bis schließlich die Herztätigkeit auf unter zehn Prozent fiel. Bei Thorsten Bartsch lief nun - wie bei Hartwig Gauder - alles auf eine Herztransplantation hinaus, und nach erfolgreicher Operation wollte Thorsten Bartsch dann zur Wiedersehensfeier nach Ahlen kommen. Wie bei Hartwig Gauder, der übrigens dem Ahlener bei der Vermittlung zur Klinik nach Berlin behilflich war und sich für manchen Schritt und manchen Service in der Berliner Klinik (Deutsches Herzzentrum Berlin unter der Leitung des Chefarztes Prof. Roland Hetzer) einsetzte, verlief zunächst alles gut. Dank auch einer psychischen Stärke von Thorsten Bartsch, die er aus seiner Wettkampfzeit noch nutzte.

Doch dann war sein „Gegner“ stärker als er und diesen letzten Zweikampf gegen den Tod verlor Thorsten Bartsch. Am 8. August 2007 verstarb Thorsten Bartsch 38-jährig in Berlin. Dieter Massin


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